Venloop 2025: Auf der Party-Meile laufen die Beine von alleine

Der Venloop 2025 war mal wieder ein läuferischer Höhepunkt. Die Stimmung gigantisch, die Strecke bestens bekannt, die Leistung sehr in Ordnung. Doch am Ende gab’s was auf die Nase – und am nächsten Tag einen Grund zur Trauer.

Wenn im Frühjahr die Uhren umgestellt werden, ist es wieder soweit: In Venlo steigt das erste große Lauf-Highlight des Jahres. Der Venloop ist einfach ein Pflichttermin. Die ganze Stadt steht im Zeichen der Laufwoche. Auf dem Weg bin ich durch Villenviertel fernab der Laufstrecke gefahren – und selbst dort waren etliche Häuser mit Venloop-Flaggen geschmückt.

Spaziergang zum Aufwärmen

Anders als sonst, bin ich in diesem Jahr zu Fuß vom Parkplatz am Stadion de Koel zum Start-/Ziel-Bereich gegangen. Die Schlangen zum Shuttle-Bus waren mir einfach zu lang, und außerdem schadet so ein kleiner Aufwärm-Spaziergang nicht.

Obwohl sie ja eigentlich jede Menge Erfahrung haben müssten, haben die Organisatoren auch in diesem Jahr wieder etwas geändert. Mehr Toiletten zum Beispiel.

Was sie leider nicht geändert haben, ist die Startaufstellung. Im Startkanal stehen zwar Schilder mit anvisierten Zielzeiten, doch leider hält sich kaum jemand daran. Für viele ist der Venloop eine Party, und so ist ihnen egal, dass sie später im Weg stehen und andere, ambitioniertere Läufer behindern. Ich war natürlich brav und habe mich im Bereich 1:45 bis zwei Stunden eingereiht.

Zu voll auf den ersten Kilometern

Beim Venloop geht es ohne Startwellen auf die Strecke. Entsprechend voll ist es am Anfang. Auf dem ersten Kilometer kann man noch ein kleines bisschen Tempo machen, doch dann kommt die Altstadt.

Und wie sie kommt! Die Strecke wird eng, auf beiden Seiten stehen die Zuschauer in Zehnerreihen und machen einen Lärm, wie es ihn ansonsten vielleicht noch in Alpe d’Huez gibt. Aus allen Kneipen dröhnt Musik, die Leute rufen, schreien, singen – es ist der absolute Wahnsinn!

Gäbe es Startwellen würde man hier vielleicht nicht so arg ausgebremst, aber leider musste ich auch in diesem Jahr wieder kurz stehenbleiben. 5:36 min/km war mein Schnitt auf den ersten fünf Kilometern, für Kilometer Nummer zwei brauchte ich sogar 6:22 Minuten. In Venlo beginnt das Rennen erst bei Kilometer fünf.

Gelaufen wie ein Uhrwerk

Der Plan war von da an ganz simpel: Ich wollte einfach konstant den Schnitt drücken, möglichst immer knapp über fünf Minuten pro Kilometer laufen, aber mit einer Pace, die ich ziemlich sicher ins Ziel würde bringen können. Zum Glück kenne ich meinen Körper und die Strecke und kann meine Leistung bei Halbmarathons ziemlich gut einschätzen.

Überholen, überholen

Die nächsten beiden Fünfer-Päckchen konnte ich schön gleichmäßig wie ein Uhrwerk in jeweils 5:14 laufen, von Kilometer 15 bis 20 war sogar noch eine 5:11 drin und im Schlussspurt konnte ich mich nochmal auf 5:03 steigern. Dann war aber auch wirklich der Ofen aus. Auf den letzten sechs Kilometern habe ich wirklich jedes einzelne Körnchen auf den Straßen Venlos liegen lassen.

Hindernissrennen beim Venloop

Vielleicht wären noch ein paar Sekündchen mehr drin gewesen, wenn ich einfach mal mit der Menge hätte laufen können, ohne ständig Haken um irgendwelche laufenden Hindernisse schlagen zu müssen. Wozu gibt es im Startbereich Schilder mit Zielzeiten? Warum können Leute ihre Leistung nicht voraussagen? Es nervt einfach!

Bis km zehn habe ich 716 Läufer überholt, auf den nächsten fünf Kilometern 538, danach 445, 36 und selbst auf der Zielgeraden noch mal zwölf. Das ist ne ganze Menge.

Ein Schlag ins Gesicht

Apropos Zielgerade: Ich hatte da echt noch Reserven. Irgendwo in den Beinen waren noch Körner für einen Schlussspurt. Dieser unfassbare Lärm auf dem letzten Kilometer beflügelt einfach. Ich gebe also noch mal Gas und überhole. Und dann kommt er: ein Läufer im oranje-farbenen Shirt.

Ich schere noch mal nach links aus, für einen großen Bogen reicht die Kraft nicht. Noch ca. 15 Meter bis zur Ziellinie. Ich will gerade überholen, da sehe ich in Zeitlupe, wie Oranje die Arme zum Jubeln ausbreitet, und – patsch – schlägt sein Handrücken auf meine Brille. Okay, er entschuldigt sich immerhin. Aber… argh! Immerhin ist nichts kaputt gegangen.

Begegnung mit der Rakete vom Radio

Eine wesentlich angenehmere Begegnung gab es am Ende. Nachdem ich meine Tasche gepackt und meine müden Beine wieder halbwegs aktiviert hatte, schlenderte ich noch etwas über eine Wiese und entdeckte Sabine Heinrich vom WDR2. Sabine trainiert gerade für den Hermannslauf – da ist der flache Venloop natürlich die beste Vorbereitung. 😉

 

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Ein Beitrag geteilt von Stefan Reinke (@laufendessen.de)

Todesfall auf der Strecke

Am Tag nach dem Halbmarathon wurde bekannt, dass beim Zehner ein Teilnehmer verstorben ist. Die Hintergründe sind nicht bekannt.  Sollte es vorm Start eine Schweigeminute gegeben haben, habe ich sie verpasst. Angemessen wäre sie gewesen. Mein herzliches Beileid gilt den Angehörigen des verstorbenen Läufers.

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